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Bindemittel-Puzzolane_Article

Bindemittel in der Restaurierung, verschaffen wir uns Klarheit

 

Welche Bindemittel sind für eine konservative Restaurierung geeignet? Was sind ihre Eigenschaften? Worin bestehen die Unterschiede?

Nicht die Rekonstruktion, sondern die Erhaltung der historischen Substanz ist Ziel des denkmalpflegerischen Bemühens. RÖFIX bietet Denkmalpflegern eine umfassende Palette an historisch nachempfundenen Mörteln und Unterputzen, Oberputzen sowie Anstrichprodukten zur Nachgestaltung der historischen Architekturoberflächen an.

Es ist möglich zwischen Fertigprodukten, Halbfertigprodukten aus dem Baukastensystem und den historisch nachempfundenen Bindemitteln zu wählen.

Kalk – ein historischer Baustoff
Unter Kalk wird üblicherweise sowohl
der Kalkstein – CaCO3 – als auch der daraus durch Brennen hergestellte „gebrannte Kalk“ (CaO) verstanden. „Gelöschter Kalk“ – Ca(OH)2 – entsteht aus gebranntem Kalk durch Reaktion

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mit Wasser. Der gelöschte Baukalk wird als Bindemittel in Putz und Mörtel verwendet. Der Kalkstein wird oft als Füllstoff eingesetzt. Gebrannter Kalk, mit Wasser gelöscht und zu einem Brei angemischt (Sumpfkalk), reagiert mit Kohlendioxid und ergibt ein festes, poriges Gefüge. Da Kalkhydrat mit dem Kohlendioxid aus der Luft erhärtet, spricht man von Luftkalk. Die Wasser- und auch die Frostbeständigkeit solcher reiner Luftkalkputze werden in stark belasteten Bauteilen erst durch Beigabe von hydraulischen Bindemitteln erreicht.

Puzzolane – latent hydraulische Bestandteile
Latent hydraulische Bestandteile sind Stoffe die allein mit Wasser nicht erhärten, aber bei Zugabe von Kalk diesem hydraulische Eigenschaften verleihen. Diese Wirkung geht auf die Löslichkeit der in ihnen enthaltenen Kieselsäure zurück. In der Abmischung mit Kalk wird aus Kieselsäure wasserunlösliches Calziumsilikat gebildet. Dies führt in Putzen und Mörteln zu erhöhten Festigkeiten und zu besserer Witterungsbeständigkeit. Zu den bekanntesten latent hydraulischen Bestandteilen zählen die „Santorin Erde“, der „Trass“ und tuffartige Gesteine. Als künstlicher hydraulischer Bestandteil hat niedrig gebranntes „Ziegelmehl“ bereits eine lange Tradition. Moderne, künstliche latent hydraulische Bestandteile wie Flugasche oder Hüttensand haben heute wirtschaftliche Bedeutung, in der Denkmalpflege finden sie jedoch keinen Platz.

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Der Trass
Trass ist ein hochporöses, natürlich vorkommendes Gestein von meist vulkanischem Ursprung. Durch Mahlung erhält man den sehr feinen Zusatzstoff, welcher als latent hydraulischer Bestandteil eingesetzt wird. Trass findet man – je nach regionalem Vorkommen – in vielen historischen Putzen und Mörtel. Als latent hydraulisches Bindemittel bindet Trass nur in der Abmischung mit Kalk oder Zement ab. Der RÖFIX Trass entstammt dem bayrischen Suevit-Abbau und ist durch seinen langsamen und gleichmässigen Festigkeitsaufbau bestens für das Nachempfinden von historischen Putz- und Mörtelrezepturen geeignet.

Hydraulkalk (HL gemäss EN 459-1)
Hydraulkalk wird aus einem Materialmix aus Kalkstein und Mergel hergestellt, der bei Temperaturen um 1000 °C gebrannt wird. Die entstandenen Silikatphasen bilden mit dem freien Kalk wasserunlösliche Calziumsilikate, die dem Mörtel seine Wasserbeständigkeit geben. Im Gegensatz zu Zement bleibt hier eine hohe, natürliche Porosität erhalten. Diese Eigenschaften machen das Bindemittel besonders in feuchten Klimazonen interessant. In mediterranen Zonen (mit trockenem Mittelmeer-Klima) kann der Hydraulkalk im Putz den Zement grossteils ersetzen.

Natürlicher Hydraulkalk (NHL gemäss EN 459-1)
Je nachdem ob die Rohstoffzusammensetzung für die Herstellung von Hydraulkalk aus einem entsprechenden Stein ohne Mischung abgebaut werden kann oder künstlich gemischt werden muss, unterscheidet man natürlichen Hydraulkalk von künstlichem Hydraulkalk. Besitzt der Rohstein die ideale Kalk-Mergel-Zusammensetzung, kann daraus ein NHL gewonnen werden. Dieser Rohstoff erlaubt konstantere, niedrigere, „mildere“ Brenntemperaturen als Mehlmischungen, wodurch die Bildung von typischen Zementphasen verhindert wird. Das daraus resultierende Ausbleiben von Festigkeitsschwankungen führt zu Vorteilen bei der Verarbeitung, Gleichmässigkeit und Beständigkeit von NHL-Kalkputzen.

Bindemittel-Hydraulkalk_News

Renovierung_News

Roman-Cement
1796 erwirkte Prof. J. Parker ein Patent auf ein neues hydraulisches Bindemittel, den sogenannten Roman-Cement. Dieser entsteht durch die Kalzinierung von kalkhaltigem Gestein, welches in den Lehmböden in der Nähe von London vorkommt.
Das dabei entstehende Pulver hat eine ähnliche Farbe wie das römische Baumaterial.
Die Besonderheit des Roman-Cement liegt im Brennvorgang (Kalzinierung) bei niedriger, jedoch stark variierender Temperatur (600–1200 °C) und vor allem in seiner natürlichen Zusammensetzung aus Calciumcarbonat und Tonmineralen (Lehm) aus der ursprünglichen Mergel, die dem heutigen Portlandzement schon sehr nahekommt.
Der so gebrannte Zement enthält ein breites Spektrum an Mineralien, wie sie auch in natürlichem Hydraulkalk vorkommen, allerdings in einem anderen Verhältnis. Der Anteil an freiem Kalk im Roman-Cement ist geringer als im Hydraulkalk. Dafür enthält der Roman-Cement mehr Siliciumoxide und Aluminiumoxide. Dies bewirkt eine erheblich kürzere Abbindezeit sowie grössere Festigkeit gegen mechanische Belastung und Bewitterung.