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RÖFIX unterstützt Erdbebenopfer in Amatrice und Umgebung

 

„Das ist alles was wir haben“, erzählt uns Samantha, Mutter von drei kleinen Kindern im Alter von 20 Monaten bis acht Jahren, als sie uns, fast schon etwas stolz, ihre bescheidene, von ihrem Mann notdürftig zusammengezimmerte Behausung zeigt. „Die Kinder sind verstört. Bei jedem Geräusch zucken sie

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zusammen und brechen bisweilen in Tränen aus.“ Eindrücke, die die Hilfsgruppe aus Meran betroffen machte und bisweilen zu Tränen rührte. Viele leben derzeit in notdürftigen Behausungen, Wohnwägen, Zelten. Erschütternd!

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Erschwert wird diese Lage zudem durch den Umstand, dass viele ihren Arbeitsplatz verloren haben.
Die Fördervereine „Lights of Africa“ und „Palliative Care Martinsbrunn“ widmeten ihre Parkweihnacht 2016, und die dadurch gesammelten Spenden, ausschließlich den Erdbebenopfern in Amatrice und Umgebung. Nach Weihnachten ist es

gelungen, einen direkten Kontakt, in der Person von Agnese Capriatti, geboren in Amatrice, Carabiniere in Meran, zu den Opfern des Erdbebens herzustellen. Da sich die Lage vor Ort durch die derzeitige Wettersituation, mit für diese Gegend unüblichen Massen an Schnee und extremer Kälte, zusätzlich verschärft hat, wandte sich Frau Capriatti mit dem Hilferuf an uns, dringend warme Kleidung und Stromaggregate für die Notleidenden zu organisieren.

Von den Spenden konnten zehn Stromaggregate angekauft werden. Unser spontaner Aufruf über WhatsApp, warme Kleidung und Decken zur Verfügung zu stellen, hat eine überwältigende Welle an Hilfsbereitschaft ausgelöst. Über 30.000 Klicks auf Facebook!
Die Sachen konnten in Meran

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(Privatklinik Martinsbrunn), Bozen, Juniorteam St. Martin, Kleiderecke Algund & Lana, Prad, Salurn, Schabs und Bruneck abgegeben werden. Innerhalb von drei Tagen wurden über 150 m³ ausgesuchte Winterkleidung und Decken gesammelt und mit Hilfe von täglich bis zu 40 freiwilligen Jugendlichen, Frauen, Männern und Barmherzigen Schwestern, die auch spontan mitgeholfen haben, aussortiert und in, von den Firmen SCHREYÖGG, ALLNEIDER, MABIT, NATURAFIT, NILS, KOFLER SPECK und SIEBENFÖRCHER spendierten Kartonen verpackt werden. Kleidung, die für die Aktion nicht mehr mitgenommen werden konnte, wurde teilweise für Hilfslieferungen nach Moldavien und Albanien weitergegeben.

Großartig auch die Bereitschaft der Unternehmen PLATTNER BAU, SPEDITION HARTMANN, RÖFIX, AGRIFIX und der PRIVATKLINIK MARTINSBRUNN, den Transport durch unentgeltlich gestellte Fahrzeuge und Fahrer zu übernehmen. Der Hilfstransport bestand letztendlich aus zwei Containern, welche von der Firma

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NIEDERSTÄTTER für einen Monat unentgeltlich zur Verfügung gestellt werden, einem Container der Firma AGRIFIX, sowie einem Sattelzug der Transportfirma SARTORI, welcher von RÖFIX gestellt wurde. Zur Verteilung vor Ort fuhren zusätzlich drei Kleintransporter und zwei Privatautos, mit insgesamt 14 Freiwilligen mit ins Notstandsgebiet. Die Stromaggregate wurden direkt bei der Herstellerfirma PRAMAC, die diese zu Selbstkosten überlassen hat, in Colle Val D’Elsa bei Siena abgeholt.

Die Fahrt, vorbei an teilweise gesperrten und vereisten Straßen, war mühsam. Angekommen am Freitag, 27.01.2017 um 9 Uhr beim Treffpunkt in Torrita di Amatrice, wurden die Helfer aus Südtirol bereits sehnlichst von Mitgliedern des „EKOCLUB INTERNATIONAL ONLUS“ und von vielen Bauern und Betroffenen erwartet.

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Umgehend konnte mit der Verteilung begonnen werden.

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Die Helfer aus Südtirol haben sich in Gruppen aufgeteilt und sind mit den Kleinwägen in einige Fraktionen gefahren, um die Hilfsgüter teilweise persönlich zu übergeben. Manche Fraktionen können derzeit mit unseren Fahrzeugen leider nicht angefahren werden. So wurden zwei Container im Einsatzgebiet belassen

und ein Teil der Güter gelagert, bis die Wege von Eis, Geröll und Schnee befreit und wieder befahrbar sind.

 

Persönliche Eindrücke einiger Teilnehmer an der Hilfsaktion aus den besuchten Fraktionen

Aus Amatrice:
Ruth Kofler (Pflegedirektorin Martinsbrunn)

Mich hat die ungeheure militärische Präsenz, in den von Erdbeben zerstörten Dörfern beeindruckt. In Amatrice allein habe ich an einem Platz ca. 50 Carabinieri gesehen, von der Bevölkerung war wenig zu sehen.

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Trotz dieser Präsenz ist für mich keine Verbesserung der Situation erkennbar. Das Krankenhaus in Amatrice wurde völlig zerstört. Das notdürftig im Sommer errichtete Hilfszelt ist unter den Schneemassen eingestürzt. Derzeit wird in einem Container die ärztliche Notversorgung durchgeführt. Auf der Rückfahrt sind wir entlang des Epizentrums Richtung Adria bei zahlreichen, zerstörten Geisterstädten (kein Licht, kein Mensch, Stille, Hoffnungslosigkeit) und ähnlichen Dörfern, vorbeigefahren.

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Aus Scai:
Andrea Gabis (Sanitätsdirektorin Martinsbrunn, Vorstand Förderverein Palliative Care)

Bin tief bewegt von der Situation der Bevölkerung vor Ort. Mit ihren letzten, geringen Mitteln versuchen sie zu überleben. Sie hausen in Baracken oder Zelten und haben  

das Nötigste. Ihre Arbeitsplätze, somit ihre Lebensgrundlage, haben sie verloren. Erschwerend kommt hinzu, dass sie nun auch im Schnee versinken und unter der ungewohnten Kälte leiden. Die Zufahrt ist erst seit einigen Tagen wieder möglich. Die kleinen Kinder sind verstörtnicht einmal  und geraten schnell in Panik.

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Aus Cascine di Opagna:
Lorenz Knoflach (Basisarzt in Lana, Vorstand Verein Lights of Africa)

„Ihr seid die erste Hilfslieferung vor Ort seit dem Beben von August. Wir leben in Zelten vom Erdbeben von 1979.“ Das waren die Worte eines Bewohners, als wir eintrafen. Erschreckend vor allem

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die Resignation der Bevölkerung der kleinen Borghi, gepaart mit dem verängstigten Ausdruck der Gesichter.

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Aus Maltignano:
Marie Gassmann (Schülerin Salurn)

Anfangs dauerte es eine Zeit bis jeder seine Aufgabe gefunden hatte, aber dann kam einiges ins Rollen. Die Leute in den kleinen Dörfern erwarteten uns bereits, teilweise auch misstrauisch. Als sie sahen, dass wir

sie in die Arbeit mit einbezogen, halfen sie mit und begannen von den Erlebnissen und Ängsten zu erzählen. Viel Herzlichkeit.

Aus Opagna:
Michaela Elverman (Schuldienst)

Der Himmel hatte kein Erbarmen. Das Erdbeben vom August, das vom Oktober und die starken Schneefälle seit Dezember. In den Medien wurde hauptsächlich Amatrice genannt. Andere Orte (Pilgerorte) wurden absichtlich nicht genannt um nicht

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abzuschrecken. „Commanda lui“ sagte ein älterer Mann. Ich weiß nicht, meinte er „Dio“ oder „il terremoto“. Die Menschen, die noch ausharren, fühlen sich „IHM“ völlig ausgeliefert. Eine ältere Frau vertraute sich mir an: „Ein Zuhause müsse Zufluchtsort sein, wohlig - entspannend. Schon vor meiner Anreise war mir bewusst, ich habe so ein Zuhause. Warum wurde dies diesen zufriedenen, bescheidenen Menschen genommen? Warum?

Aus Civita:
Anna Huber (Hotelfachfrau)

Die ständige Ungewissheit und Angst vor dem nächsten Beben. Welches Ausmaß wird es diesmal erreichen? Wann hören die Beben endlich auf? Oder gar nie? Immer bereit zu flüchten ohne wirklichen Ort der Zuflucht. Mir fehlen die Worte um die Misere zu beschreiben.

Aus Colle Centilesco & Amatrice:
Richard J. Sigmund (Verwaltungsdirektor Martinsbrunn, Musiker, Koordinator des Hilfsprojektes)

Vergessene, verlassene, verzweifelte, verlorene Seelen! Traumatisierte Kinder, weinende Frauen, verzweifelte Männer. Viele völlig zerstörte, vielfach unzugängliche Dörfer, unbewohnbare Häuser, Familien mit Kleinkindern und Greisen in Zelten bei Minusgraden. Bin tief bewegt und die Situation macht mich tief betroffen. Wo bleibt da Menschlichkeit? Während die älteren Männer und Frauen dem Schicksal zu trotzen versuchen, scheint die mittlere Generation stark gezeichnet, nachdenklich. Die andauernde Angst, Aussichtslosigkeit, teils Resignation scheinen in ihre Gesichter gemeißelt. Manche Träne fließt aus fahlem Blick. Neben materieller Hilfe bräuchten sie vor allem auch Gespräch, Zuwendung, Verständnis – ein Dasein anderer für sie. Die Tiere der Bauern stehen bei teils bis zu einem Meter Schnee im Freien. Ställe und Futterhäuser völlig zerstört. Was zählt ist, durch materielle Hilfe diesen Menschen Hoffnung und nicht zuletzt auch ihre Würde wiederzugeben.

Eine ältere Frau fällt mir um den Hals: „Grazie, Dio le benedica!“ – Ich frage mich: Welcher Gott lässt dies zu?

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Aus Torrita:
Günther Fill (Berufsfeuerwehrmann)

Leute haben uns die Hilfsgüter förmlich aus der Hand gerissen, da dringendst benötigt. Die Menschen wirken verschlossen und traumatisiert durch die wiederholten Beben. Sie fühlen sich seit Wochen und Monaten 

alleingelassen und freuten sich über die erste Hilfslieferung seit Wochen. Bei der Auslieferung zeigten sich die Leute durch kleine Gesten sehr dankbar und waren von der Aktion beeindruckt.

Das Dilemma, keine Arbeit zu haben und keine Aussicht diesem Alltag zu entfliehen, nagt vor allem an der jungen Generation. Leider hatten wir nicht die Zeit, länger zu bleiben. Gespräche und Zuwendung wären notwendig. Die große Präsenz der Sicherheitskräfte kostet viel Geld. Ist dies notwendig? Im Gegensatz zum Zivilschutz, Militär und Feuerwehr, welche Verteileraufgaben stärker übernehmen könnten. Stärkere Koordination wäre wohl effizienter.